Tunnelblick

Besagt im eigentliche Sinne, die konzentrische Einengung des Gesichtsfeldes auf einen zentralen Rest oder im übertragenen Sinne die Unfähigkeit oder Unwilligkeit, Dinge wahrzunehmen, die außerhalb dessen liegen, wofür sich der Betroffene aktiv interessiert.

Demnach bin ich nicht von Interesse? Könnte ich noch mit Leben, aber wenn man an etwas kein Interesse hat, sollte man darüber auch nicht urteilen.

Damals: Mit 16 Jahren verließ ich meinen Geburtsort und ließ den Großteil meiner Familie hinter mir. War so gewollt, war gut. Da man ohne festen Wohnsitz keinen Schulplatz bekam, ohne eine Schule vorzuweisen keine finanzielle Unterstützung erhielt und ohne Einkommen eben keine Wohnung mieten kann, um einen festen Wohnsitz vorzuweisen, zog ich zu meiner Tante. Ein Problem gelöst, der Rest ergab sich von selbst. Mit dem Einzug wurde ich auch in ihr soziales Umfeld integriert. Nur das man mit 16 eben noch pubertiert, entsprechend anstrengend ist, seine eignen Erfahrungen machen will – und muss. Man macht Fehler. Bis ich komplett auf eigenen Beinen stand und selbst wusste, was ich vom Leben wollte, vergingen noch einige Jahre. Nobody is perfect.

Ich war »hibbelig«, ungestüm, aktiv und immer in Bewegung. Meine »große Schnauze« lernte langsam, was Contenance und Diplomatie bedeutet und wann es sich nicht lohnt, sich über Dinge/Personen aufzuregen.

Ich entschied mich für einen Freund, der nicht ihren hohen Anforderungen entsprach. Meinen heutigen auch nicht mehr, aber damals, naja wo die »Liebe« eben hinfällt…

Heute: Heute bin ich Ende 20 und schockiert, über die Unfähigkeit dieses Umfeldes mich als Person wahrzunehmen. Noch immer sehen sie mein 16-jähriges Ich. Verdammt nochmal das ist über 10 Jahre her!

Die Lockendame: Auf einer Geburtstagsfeier kam eine Bekannte dieses Umfeldes, welche ich sehr lange nicht gesehen hatte, mit wunderschönen Locken daher. Ich hab glattes Haar, also will ich Locken – typisch Frau. Ging nicht nur mir so, sondern auch 10 weiteren Damen. Sie erzählte von ihrem »Magic Spiral Lockenwicklern«, Sie könne diese ja zum nächsten Treffen mitbringen, dann könne man es mal testen und live sehen und spontan kam mir die Idee, einer Beautyparty – wie Tupperparty nur für Haare und MakeUp statt Plastikdosen.  Alle Damen mit Interesse – und das waren alle – zusammen und einen schönen Abend verbringen. Fanden alle toll, die Lockendame bot auch direkt ihr Zuhause an, eine Whatsapp-Gruppe wurde eröffnet. Ich freute mich wirklich wahnsinnig darauf. Zwei Tage vor der Party sagte sie jedoch spontan ab. Berufliche Gründe. Ich fragte in der Gruppe noch einmal nach einem neuen Termin, aber niemand reagierte. Seltsam, aber wird schon Gründe haben…

Hatte aber leider nur einen Grund: mich. Die Party fand wie geplant statt – ohne mich. Die Lockendame öffnete eine neue Gruppe und erklärte darin, ich sei ihr zu hibbelig und zu ungestüm, deshalb möchte sie die Party ohne mich machen – und tat dies auch. Trotz der stundenlangen Unterhaltungen auf dem Geburtstag hat sie mich als Person nicht wahrgenommen. So überzeugt, noch immer das 16-jährige Mädchen vor sich zu haben, hat sie allem Anschein nach MICH weder gesehen oder gehört. Statt – wie damals – von Party zu Party zu ziehen backe und koche ich heute lieber, statt mit drei Jobs ums Überleben zu kämpfen, war ich die Leitung einer Abteilung eines Unternehmens, statt zu Fluchen und zu schreien verschwinde ich heute lieber in Büchern.

Ich war verletzt und enttäuscht – auch etwas wütend. Ich hab hart an mir gearbeitet, warum sieht sie das nicht? Ausgeschlossen zu werden tut sehr weh, vorallem auf so eine hinterlistige Art. Sie hätte die Gruppe auf dem Geburtstag nicht eröffnen müssen. Hätte mich nicht einladen müssen. Hätte mich nicht vor allen so demütigen müssen. Die Zeit verging, auf zwei weiteren Feiern sahen wir uns, ich entschied nichts zu sagen. Das war es nicht Wert. Sie suchte auch nicht das Gespräch zu mir – mir wurde es langsam egal… sehr langsam…

Die Malermeister: Ich bin glücklich mit dem Mann an meiner Seite, zielstrebig, selbstbewusst, organisiert, intelligent, ein (fast) Perfektionist. So möchte er auch Leben und wünschte sich nach dem Wohnungsgewusel eine Renovierung der Wände. Glatt sollten sie sein, wirkt edel. Kein Problem, in diesem sozialen Umfeld gab es eine handvoll Handwerker jeder Art, darunter zwei Malermeister. Ich wusste die können das, wusste, die machen einen guten Job, also kontaktierte ich beide, bat um eine Besichtigung der Räumlichkeiten ihrerseits und einen Kostenvoranschlag. Beide meinten, sie hätten gerade viel zu tun aber schauen nächste Woche mal. Jedoch kam auch auf Nachfragen meiner Person keinerlei Antwort mehr – weder »nächste Woche«, noch die Woche darauf. Ich dachte sie seien zu beschäftigt…

Eine Woche bevor ich auf einer Feier wieder auf diese Malermeister treffe (Leider auch auf die Lockendame), muss ich erfahren: Sie haben sich bei meiner Tante erkundigt, was das denn für ein Mann an meiner Seite sei, wie der denn Leben würde, was er beruflich so mache und ob er sich überhaupt so etwas leisten könne…

SACH MA HACKT`S?!?!

Wie können diese Menschen so dermaßen engstirnig und boshaft sein. Mein Leben zu hinterfragen, mich bloßzusztellen, ausschließen, mir somit das Gefühl vermitteln, ich sei schlecht, weniger Wert, unfähig selbstständig zu sein, unfähig ein Leben zu haben, unfähig Entscheidungen zu treffen, unfähig mich weiterzuentwickeln?

Damals wollte dieses Umfeld mir Vorbild sein, Ratschläge geben und mir erzählen, wie das Leben funktioniert. Alles wussten sie besser, alles hätten sie besser gemacht. Sie waren ja so bodenständig, so Allwissend, weil sie ja schon so viel erlebt hätten, ich solle ihnen doch vertrauen…

Die wissen gar nicht, was vertrauen bedeutet! Wie man anderer Gefühle nicht verletzt wissen sie auch nicht. Wie man Probleme durch Kommunikation löst wissen sie nicht. Wie man ehrlich ist wissen sie nicht!

Ich bin so wütend, so enttäuscht und dermaßen verletzt. Und dennoch werde ich ihnen allen auf der Feier heute Abend mit einem Lächeln entgegenkommen.

Ich bin nicht wie die.

Keiner von denen ist es Wert, darüber ein Gespräch zu führen, denn ich war ihnen nicht mal eine Antwort per Whatsapp wert.

Keiner von denen ist es Wert, Zeit zu investieren um Ihnen zu zeigen, wie unwissend, engstirnig und verletzend sie sind – denn sie wissen es ja eh besser!

Keiner von denen ist es Wert, dass ich mich so schlecht fühle – auch wenn ich es noch ein Weilchen tue…

 

 

 

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