Erkenntnisse einer perfekten Freundin

Ich kann nicht Nicht-Denken

Das Silvester-Beziehungs-Drama belastete mich doch länger als erwartet. Nichts wünschte ich mir sehnlicher als Liebe – bedingungslos und uneingeschränkt.  Die Tatsache, dass er nach einem Streit auf meine Frage „Liebst du mich noch?“ mit „Das kann ich dir jetzt nicht sagen.“ antwortete riss mich aus dem Leben. Ich konnte nicht aufhören daran zu denken. Überdachte die Beziehung, unser Leben, wie es weitergehen sollte und wünschte mir dennoch nur Liebe und Nähe.

Aber die gab es nicht. Küsschen vor dem Verlassen der Wohnung – aber nur unter der Woche. Wahrscheinlich aus Gewohnheit, nicht aus freiem Willen. Samstags gemeinsam Frühstücken, gibt’s auch nicht mehr. Er hat immer was zu tun. Ich wollte ihm den Freiraum lassen, aber je mehr ich das tat, umso mehr fühlte ich mich verstoßen, allein gelassen. Was ist daran so schwer jemanden mal in den Arm zu nehmen? Warum merkt er das nicht?

Die Wochen vergingen. Wir hatten uns immer weniger zu sagen. Je weniger wir sagten, desto mehr dachte ich nach. Ich konnte nicht aufhören.

„Du bist komisch.“ Ok, ihm fiel auf, etwas stimmte nicht – aber fiel ihm nicht auf, was nicht stimmte? Ich lachte nicht mehr. Tagelang, wochenlang. Ich bin unglücklich. Ich kaufte Bücher über Glück – die halfen nicht. Ich versuchte auf meine Intuition zu hören und las ein Buch dazu, dass mir sehr empfohlen wurde – aber es klappte nicht. Ich konnte nicht aufhören zu denken!

Die perfekte Freundin

Ich hatte immer versucht für IHN die perfekte Freundin zu sein. Während ER sich morgens im Bad fertig macht, mache ich IHM Frühstück und koche uns Tee. Schmiere SEINE Brote für die Arbeit. Versorge die Katzen während ER isst. Mach das Katzenklo sauber, räume die Spülmaschine ein und aus. Wenn ER Heim kommt, sollte ER sich entspannen können, die lange Fahrt, die wichtige Position im Beruf. Die stundenlangen Meetings und Gespräche – ich weiß wie anstrengend SEIN Job ist. Ich wollte IHM immer nur etwas Gutes tun. Nach der Arbeit fahre ich einkaufen und koche etwas, wonach auch immer es IHMgerade beliebt:

  • Nur-Gemüse-Gerichte-Wochen
  • Keine-Kohlenhydrate-Wochen
  • Nur-Obst-und-Müsli-Wochen
  • Detox-Wochen
  • Hauptsache-Eiweißreich-Wochen

Und was IHN nicht sonst noch alles überkam. Musste ER lernen backte ich Möhren-Nuss-Kuchen, weil das beim Denken helfen soll.  Ich gab alles in der Küche. Aber nicht nur da, ich machte die Wäsche, legte SEINE nicht nur zusammen (ER kann angeblich nur knüllen-nicht falten), sondern räumte sie auch weg.

Als die neuen Schränke kamen sortierte ich sogar die Kleidung nach Farben –  ER mag es ja ordentlich.

Statt „Sieht toll aus. sagte er Du weißt, dass das nicht so bleiben wird?“. Der Weihnachtsbaum sollte an einem Freitag geliefert werden, als ihn aussuchte, hatte ich aber gerade ein Auto dabei, und einen Freund, der anbot ihn zu tragen. Also kam der Baum schon Mittwoch in die Wohnung. Ich fing sofort an zu schmücken. Statt „Oh schön, ist ja alles schon erledigt.“ Sagte er „Das hatten wir aber anders besprochen!“ Als ich das erste Mal wieder zeichnete, und ihm abends das Bild zeigte, sagte er nicht „Schön.“ Sondern „So schnell?“

Und je mehr Unterhaltungen dieser Art stattfanden, umso genervter war ich. Ich wollte schon gar nichts mehr erzählen.

Männer sind Steine

Meine beste Freundin meinte: „Männer sind wie Steine. Egal wie intelligent ein Mann auch sein mag, emotional sind sie Steine. Sie spüren evt, dass etwas nicht stimmt, können aber nicht sagen was. Sie bemerken einfach nicht, was uns verletzt oder vor den Kopf stößt.“

Ich litt, mein Ego litt. Ich wollte für IHN perfekt sein. Die perfekte Freundin. Und er sah es nicht.

Und was hab ich darüber hinaus vergessen? Mich.

Das wichtigste bin ich

Ich mache all diese Sachen für ihn – dachte ich – ist aber falsch. Ich mache diese Sachen für mich. Natürlich mag er gutes Essen – aber ob ich gekocht habe oder sein Lieblingslieferdienst das Essen bringt ist im Prinzip egal. Beim Lieferjungen sagt er auch nicht danke. Warum sollte er mich dafür Loben und mir Fleißsternchen wie in der Grundschule auf die Stirn kleben?

Erwartete ich also Dank, für etwas, dass er explizit nie einforderte? Ja. Kann bestimmt jeder nachvollziehen – man macht etwas für jemanden und erwartet ein „Dankeschön“ – gerade von Menschen, die einem sehr nahe stehen. Werden Erwartungen nicht erfüllt, ist man verletzt. Einmal ist keinmal, aber jedes Mal nagt an einem.

Aber ich hab darüber ganz vergessen, dass, wenn ich all diese Sachen mache, dann kann ich stolz auf mich sein, so gute eine Freundin zu sein. Ich tue dies für mich. Um meine Anforderungen an eine gute Freundin zu erfüllen. Und das bin ich. Ich bin fürsorglich und liebevoll. Davon kann ich viel geben – kann das aber nicht von anderen einfordern, weil eben jeder individuell ist.

Ich bin gut so, wie ich bin und darauf kann ich stolz sein. Wie konnte ich das (MICH) nur vergessen?

ithinktitel

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